„Ich hab doch kein IT studiert.“ Müssen Sie auch nicht.
Was Führungskräfte über KI wissen müssen, um entscheiden zu können.

„Ich hab doch kein IT studiert.“
Was Führungskräfte trotzdem über KI verstehen müssen
„Ich hab doch kein IT studiert.“
Wie oft habe ich diesen Satz schon gehört. Und zwar lange bevor überhaupt von generativer KI die Rede war.
Damals ging es um SAP. Um Reporting-Systeme. Um die Frage, wo Daten eingegeben werden, wo ein Bericht abgerufen wird oder welchen Weg man durch ein System nehmen muss.
Jemand zeigte die einzelnen Schritte.
Und irgendwann fiel dieser Satz:
„Ich hab doch kein IT studiert.“
Ich fand ihn schon damals sehr bemerkenswert.
Denn auch ich habe kein IT-Studium hinter mir.
Trotzdem wollte ich wissen, womit ich arbeite.
Ich wollte wissen, was ein System macht, welchen Weg meine Daten nehmen und was passiert, wenn ich an einer bestimmten Stelle etwas eingebe.
Vor allem wollte ich wissen, wo die Grenzen liegen.
Was kann das System? Was kann es nicht? Und wann muss ich selbst eingreifen?
Dafür brauche ich kein Informatikstudium.
Dafür brauche ich ein Verständnis für mein Arbeitsmittel.
Die Technik hat sich verändert. Die Frage nicht.
Heute begegnet mir derselbe Gedanke wieder.
Nur ist aus SAP inzwischen KI geworden.
Dann heißt es beispielsweise:
"Das betrifft uns eigentlich nicht. Wir haben eine abgegrenzte KI-Lösung. Darum kümmert sich die IT.“
Der Satz klingt zunächst beruhigend.
Das System ist abgegrenzt.
Die IT kümmert sich.
Also scheint das Thema dort gut aufgehoben.
Nur beantwortet das noch lange nicht die Frage, was diese KI im Unternehmen eigentlich tut.
Verarbeitet sie Informationen? Bewertet sie Inhalte? Schlägt sie Entscheidungen vor? Erstellt sie Texte, Auswertungen oder Empfehlungen, auf deren Grundlage Menschen weiterarbeiten? Sortiert sie Fälle?
Dann reicht es eben nicht, zu wissen, dass „die IT sich darum kümmert“.
Denn die IT kann erklären, wie eine Anwendung funktioniert.
Sie kann sie technisch einrichten, absichern und betreiben.
Doch die Frage, welche Bedeutung die Ergebnisse für das Unternehmen haben, bleibt trotzdem bestehen.
Und diese Frage kann die IT nicht allein beantworten.
Noch weniger kann sie allein entscheiden, welche Konsequenzen das Unternehmen daraus zieht.
Niemand muss für KI noch einmal studieren
Die Vorstellung, Führungskräfte müssten jetzt zusätzlich zu allem anderen auch noch KI-Spezialisten werden,
halte ich für falsch.
Ein Geschäftsführer muss kein Large Language Model entwickeln können. Eine Bereichsleiterin muss keine neuronalen Netze erklären. Und ein Endanwender muss keinen Algorithmus programmieren.
Aber alle müssen so viel verstehen, dass sie wissen, womit sie arbeiten.
Das war bei SAP nicht anders.
Nur sind heute die Folgen oft schwerer zu erkennen.
Wenn ich in einem Reporting-System eine falsche Zahl eingegeben habe, kann ich den Fehler finden und korrigieren.
Wenn eine KI Informationen zusammenfasst, sortiert, bewertet oder Vorschläge erzeugt, sieht das Ergebnis dagegen häufig erstaunlich überzeugend aus.
Gerade deshalb interessiert mich erst in zweiter Linie, ob jemand die Technik erklären kann.
Mich interessiert viel mehr, was ein Mensch mit dem Ergebnis macht.
Wird geprüft? Wird 1:1 übernommen? Wird daraus eine Empfehlung? Oder irgendwann eine Entscheidung?
„Darum kümmert sich die IT“ ist keine Antwort auf die Führungsfrage
In meiner Konzernzeit habe ich oft erlebt, dass technische Themen sehr schnell an Fachleute weitergereicht wurden.
Das ist sinnvoll, solange es tatsächlich um eine Fachfrage geht.
Problematisch wird es, wenn danach die Verantwortung gleich mitwandern soll.
Bei KI macht man sich das gerne leicht..
Denn die IT betreibt das System. Security betrachtet Risiken. Datenschutz und Compliance prüfen ihre jeweiligen Anforderungen.
Nur keine dieser Funktionen entscheidet per se, welches Ergebnis das Unternehmen akzeptiert, wie es genutzt wird oder welches Risiko das Unternehmen eingehen will.
Genau dort beginnt Führung. Beim Einordnen.
Nicht beim Programmieren.
Ein einfacher Test
Wenn in Ihrem Unternehmen eine KI-Anwendung eingesetzt wird, fragen Sie doch einmal:
Was macht dieses System eigentlich mit unserer Arbeit?
Nicht technisch.
Praktisch. Im täglichen "Doing".
Was verändert sich dadurch für einen Mitarbeiter, einen Kunden, einen Prozess oder eine Entscheidung?
Wenn darauf nur die Antwort kommt:
„Das müssen Sie die IT fragen“,
würde ich nachbohren.
Denn möglicherweise fehlt dann nicht IT-Wissen.
Möglicherweise wurde eine Führungsfrage schlicht als Technikfrage abgelegt.
KI ist längst kein Sonderthema mehr
Viele Menschen sind mit KI schon seit Jahren in Berührung gekommen, ohne es so zu nennen.
Heute merken wir es stärker, weil generative KI direkt vor und mit uns am PC sitzt.
Wir schreiben hinein. Wir bekommen eine Antwort und verwenden sie weiter.
Damit wird die Frage einen Tick persönlicher: Wie viel muss ich davon verstehen?
Meine Antwort lautet:
Genug, um zu wissen, was ich tue. Genug, um Widersprüche zu erkennen. Genug, um nachzufragen.
Und genug, um Verantwortung nicht aus Versehen an ein System oder an die Fachabteilung weiterzureichen.
Dafür muss sich niemand gleich in Informatik einschreiben..
Aber Führungskräfte sollten schon genau wissen, worüber sie gerade entscheiden.
Genau darum geht es auch in meinem Executive Briefing „KI einführen, ohne das Steuer aus der Hand zu geben“.
Nicht darum, Führungskräfte zu KI-Technikern zu machen.
Sondern darum, die Fragen zu erkennen, die beantwortet sein müssen, bevor aus einer technischen Möglichkeit eine unternehmerische Entscheidung wird.

